Reduktion aller Dinge und unserer selbst auf reine Präsenz (Wissen als Rückführung auf unsere Präsenz).
(Vielleicht ist der Tod die Reduktion auf Präsenz?) daher Reduktion aller Dinge und unserer auf nichts.
Aktualität dieser Negation (also der Reduktion auf Präsenz) als Werden.
Absolutes Werden also relative Transzendenz (absolut relativ) auf die eigene Negation aufs eigene Nichts.
Also Werden als Gedächtnis (die Zeit ist, sofern sie Gedächtnis Werden, sofern es Gedächtnis); Aktualität, also Auferstehung des Negativen.
Das Geheimnis der Zeit als Geheimnis des Heils.
DG 808
Er hat sein Leben lang geschrieben. Doch erst nach seinem Tod sind die Gedanken des italienischen Philosophen Andrea Emo (1901-1983) zugänglich geworden. Emo hat etwa 38000 handbeschriebene Seiten hinterlassen. Die bisher erschienen Sammelbände auf Italienisch enthalten eher längliche Reflexionen des Denkers über das Nichts und das Sein. In seinen kürzeren Beobachtungen tritt Emos anders hervor. Er ist nämlich auch von der literarischen Welt seines Jahrhunderts geprägt.
Schicksal
Wir leben ein Leben und ein Schicksal, die nicht ausschließlich unsere sind, die wir sind und anderes von uns; als ob ein geheimnisvolles Schicksal mit all seinen universellen Eigenschaften uns gewählt hätte, um sich selbst kennen zu lernen.
DG 805
Ewige Zukunft
Rom, 12. August (1961)
Ein Kunstwerk ist, wie jedes Werk oder lebendes Geschöpf, das, was es schafft, ewig zukünftig zu sein.
So wie auch die Vergangenheit ewig zukünftig ist, wenn sie vermenschlicht und erlöst wird.
DG 785
Ein Kunstwerk ist, wie jedes Werk oder lebendes Geschöpf, das, was es schafft, ewig zukünftig zu sein.
So wie auch die Vergangenheit ewig zukünftig ist, wenn sie vermenschlicht und erlöst wird.
DG 785
Ideenkrankheit
Jedenfalls stehen die Ideen in einer Verbindung zur Krankheit; eine Verbindung, die nicht eingestanden werden kann, und sie sind geboren, um zu verbergen; aber das macht ihre Anziehungskraft aus, ihr berauschendes Wesen, von dem die Menschen erobert werden, wie sie sich gefangen nehmen lassen von der Musik und von all dem, worin sie ihren Rhythmus wiedererkennen.
Den Rhythmus ihres Seins und ihres Schicksals, das per definitionem absurd ist und tragisch, und welches, auf paradoxe Weise, durch das Bewusstsein verschärft wird, bis es geheilt ist.
DG S.783
Die Arbeit ist die westliche Form des Nirvana
Die Freien haben das Arbeiten von den Sklaven gelernt, sie haben es für sich in Anspruch genommen und haben es von einer Schmach in eine Würde verwandelt
Ode ans göttliche Nichts
Göttliches Nichts, unser Frieden, funkelndes Firmament über dunkelsten Nächten, Synthese all dessen, was wir sind, Du bist unser höchster Wunsch; unvergleichlicher Friede, der Segen, die Freude.
Wer kann Dir widerstehen, oh Allmächtiges? —oder unendlich Schwaches, wie alle Allmacht, still wie jeder Rhythmus, flüchtig wie alle Ewigkeit, befreie uns von unserer Schuld, von der Schuld unserer Überlegenheit, von unserem Sein, reinige unsere Seele von ihrem Sein.
Du, göttliches Nichts, Schöpfer der Firmamente, sei uns gnädig. Göttliches Nichts, steig in unsere Herzen herab, gib uns das Reich Deines Friedens.
Du, göttliche Mitternacht der Seele.
Göttliches Nichts, Deine Gegenwart ist die Liebe zu allen Dingen und für alles Seiende, sie ist die Schöpfung aus reiner Liebe.
In Dir kommen die Unterwelten und die Himmelreiche zusammen, das Jenseits und die Gegenwart, — befreie uns von uns selbst, gib uns Deine unendliche Liebe. — Deine Liebe zu allen Geschöpfen; alle Geschöpfe sind aus dir geboren und haben Dich verlassen, um zu sein.
Göttliches Nichts, Geist der Dankbarkeit für alle Dinge: alle Dinge, die Dich verlassen, um zu sein, um zu leben, um nicht zu sehen und nicht zu fühlen. Zu Dir kehren sie zurück, um zu lieben, zu lieben und zu sterben.
Du verwandelst die Lichter des Unheils, die sich auf den Gipfeln des Wahnsinns in der dunkeln Nacht des unvergleichlichen Glücks entzünden.
Göttliches Nichts, befreie uns von uns selbst, gib uns das Erbarmen mit uns selbst: alles Erbarmen hat mit uns zu beginnen; wenn wir so schlecht und so unrein sind, ist es deshalb, weil wir nie Erbarmen mit uns selbst haben. wir unterwerfen uns grausamer Sklaverei; göttliches Nichts erinnere Dich unsrer und gewähre uns Dein Vergessen; den heiligen Trank Deines Vergessens, Licht aller Erinnerungen, gegenwärtiger als jede Gegenwart; ewige Verwandlung, Tod und Wiederauferstehung, kosmische Nacht des Vergessens; kosmische Nacht des Traums und des Todes und ewiges grenzenloses einziges Wiedererwachen.
In Dir, göttliches Nichts, schlafen wir ein, in Dir wachen wir in Göttlichkeit wieder auf, wie ein Vergessen erwacht, wie ein Glaube erwacht, wie ein Traum erwacht.
Oh Erlösung, sei gegenwärtig. Esto Praesidio!
Ach, könnten wir uns immer unseres Vergessens erinnern.
DG 779f. (leicht gekürzt)
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