Das Leben ist ein Scheitern und das eine Erkenntnis

Das menschliche Leben ist typischerweise ein Scheitern, ist per definitionem ein Scheitern und darüber hinaus ist dieses Scheitern ein moralisches Scheitern: und die Überlegenheit der Überlegenen besteht im Eingeständnis und in der Erkenntnis dieses Scheiterns: das heißt, in einem Wort, in der Erkenntnis. 

In jeder Form der Erkenntnis, die sich in der Welt der Menschen entzündet, entzündet sich eine Kraft, und um diese Kraft herum sind viele gerufen. 

Es ist gut, dass alle die dämonische Kraft dieser Macht kennen: diese Erkenntnis ist eine Mutprobe. 

(Notizbuch ?/49)

Schönheit erkennen

Der Mythos von Orpheus und Eurydike schließt aus, dass die Wirklichkeit, das heißt die Schönheit, erkannt werden könne. 

Der Dichter muss mit seiner Zither vorangehen und wissen, dass die Schönheit verschwindet, sobald er sich umdreht, um sie zu erkennen, um sie zu beleuchten und das heißt sie auszudrücken. 

Der Gedanke, der reine Gedanke geht voran und weiß, dass der Wert, die Schönheit usw. ihm folgen und ihn antreiben; aber er weiß auch, dass er seinen Wert niemals kennen wird -- und was sonst muss er wissen?

(DG 598)


Cristina Campo: Die Stadt verschlingt dich

 

Wahre Dichter

Wahre Dichter sind auch Propheten; Lyrik ist Prophezeiung; sie sind die Propheten ihrer Zeit, aber ihre Prophezeiung kann von ihren Zeitgenossen nicht entziffert werden; Lyrik wird in Worten ausgedrückt, aber ihre Lyrik wie ihre Prophezeiung kann nicht in Worte übersetzt werden. – die wahre Kenntnis der Gegenwart. welche das lyrische Bekenntnis erreichen kann, ist die vollkommenste Prophezeiung die vollkommenste Kenntnis der Zukunft.

(DG 511f.)

 Das Vergessen ist der einzige Boden, in dem die Erinnerungen blühen.

(DG499)

Vorbereitung

Man sollte nicht auf das vorbereitet sein, was sich vorhersehen lässt, in der Anschauung vorbereiten, sondern auf das Unvorhergesehene, auf das keine Vorhersage vorbereitet. 

(DG 87)

Widmung, kurz

Wenn einer berühmt wird, sagt der Herr Teste, dann hat er einen Fehler begangen, nämlich den, der ihn berühmt gemacht hat. Sie aber, Conte Emo aus dem tausendjährigen Geschlecht, haben das Ihr schreibwütiges Leben lang vermieden und Ihre 38000 Blätter mit Gedanken zur Verzweiflung und zu Zypressen einfach weggeschlossen, nur hin und wieder Briefe gewechselt mit den Begnadetsten, Cristina Campo und Alberto Savinio. 

Dass dann die Witwe einen hungrigen akademischen Geier herbeirufen würde und der sich, dessen Freunde sich, deren Geliebte sich mit Ihrem unablässigen Schreiben Schriften zusammenklauben und Professorenstellen erobern würden, konnten Sie ja nicht ahnen, Conte. Inzwischen haben die alle ihre Stellen und Sie vergessen. Gut so? Und dann kommt noch ein Künstler daher und widmet Ihnen eine Ausstellung. Aber vielleicht wäre Ihnen solch ein wenig  sozusagen seitlicher und wie verfliegender Ruhm ja ganz Recht gewesen. 

"Die Verzweiflung ist eine tiefe Höhle, die man durchqueren muss, die man den Mut zu durchqueren haben muss, um den Ausgang in eine neue Welt zu finden, eine andere Welt". (Andrea Emo)

Ode ans Nichts

Ode ans göttliche Nichts

Göttliches Nichts, unser Frieden, funkelndes Firmament über dunkelsten Nächten, Synthese all dessen, was wir sind, Du bist unser höchster W...